Radfahrer

Eine Gruppe des Heimat- und Bürgervereins, die sich in neuer Formation gefunden hat und gemeinsam Aschendorf und Umgebung mit dem Rad erkundet. „Wir treffen uns an jedem zweiten Donnerstag im Monat zu einer etwa dreistündigen Tour um 15.30 Uhr beim Heimathof, die Hilmar Lübke für uns plant.  Bei einem Tempo von 13-15km/h sind wir gemütlich unterwegs. Jeder, der gerne Fahrrad fährt, ist herzlich willkommen.“

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Pedalritter-Erfahrungen: Marillenschnaps und Regenwetter 

Nicht immer ernst gemeinte Ansichten und Eindrücke eines Mitfahrers.

Trotz Urlaubszeit traf sich die Fahrradgruppe des HBV wie gewohnt auch am zweiten Donnerstag im Juli zu ihrer monatlichen Tour in die Umgebung. Diesmal hatten sich dazu knapp zehn Herren beim Heimathaus eingefunden, zumeist mit Fahrrädern oberhalb der Einstiegsklasse und mit Batteriereserven, die auch für deutlich weitere Strecken als die eines Nachmittagsausflugs reichen würden. Bei bedecktem Himmel startete die Gruppe zu der von Hilmar Lübke geplanten und geführten Tour, die diesmal auf wenig befahrenen, schönen Wegen durch die Feldflur Aschendorfs jenseits der B 70 in Richtung der Gartenbauzentrale und weiter zum Papenburger Obenende und wieder zurück nach Aschendorf führen sollte. Die gute Laune der Teilnehmer spiegelte sich optisch bereits in dem auf einem Schutzblech gesichteten Igelmaskottchen und einer wohl im Shop der Heimatzeitung erworbenen speziellen Bikervase mit frischen (!) Blümchen am Lenker wieder. Alles in allem nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine Leib und Seele erfrischende Radtour.

Nach trockenem Tourbeginn setzte ausgerechnet beim Überschreiten der Ortsgrenze dann ein allenfalls von Papenburg nicht wohlgesonnenen Aschendorfern  erklärbarer sich später als nachhaltig und ergiebig erweisender Regen ein, der Landwirten und Gärtnern sicher gelegen, den Tourteilnehmern aber nur anfangs als erfrischend zustatten kam. Dafür bot sich ihnen derart witterungsbedingt begünstigt die famose Gelegenheit, den Mitradlern endlich einmal den Inhalt und das Geheimnis ihrer gewohnheitsmäßig prall gefüllten Gepäcktaschen im Härteeinsatz leichten Regens näher zu bringen. Abgesehen von Wasservorräten im Bereich mittleren  Expeditionsniveaus und einem hochwillkommenen Marillenschluck, der sich glücklicherweise auch dabei fand, förderten viele Teilnehmer Regenbekleidung zutage, wie sie in dieser Vielfalt durchaus nützlich sein könnte, auch mehrtägige Allwettertouren durchzustehen. Eine auf jeden Fall nützliche Erfahrung dieser Nachmittagstour ist es, sich die Teilnehmer gut einzuprägen, weil man sie später – topmodisch „regenverkleidet“ – sonst kaum noch wieder erkennt. Angesichts der etwas überdimensionierten und in dem einen oder anderen Fall vorsichtshalber wohl auch auf schwereren Seegang hin ausgelegten Kleidung und mit entsprechender Vorstellungskraft ausgestattet, fühlte ich mich fast auf einen Fischkutter versetzt, dem mächtige Breitseiten aufgewühlter Nordsee über die Planken gehen. Unter den unverkennbar bewundernden Blicken der Mitradler fand indes mancher prächtige Anzug seinen Platz über einer bereits völlig durchnässten Oberbekleidung und verhalf dem Träger leider nur noch günstigstenfalls zu dem in Prospekten beworbenen überlegenen Tragegefühl. Aber immerhin war der Naturgewalt eines doch eher milden Nieselregens erst einmal wirksam getrotzt. Bereits nach kurzer Weiterfahrt dampfte die Unterkleidung, und die allem Anschein nach wirklich dichte Regenbekleidung heizte den Fahrer so auf, dass die Schweißperlen im Gesicht ein eher mäßiges Vergnügen an dieserhalb luftdichter Verpackung verrieten.

Fußwärts beobachtet erwies es sich bei einem Biker augenscheinlich als für diese Witterungslage doch eher weniger nützlich,  bei der Wahl des passenden Schuhwerks auf leichte, offene Sandalen gesetzt zu haben. So konnte das körperabwärts fließende Regenwasser zwar direkt durch die Schuhe wieder zum Boden gelangen, ohne sich hinderlicherweise erst in festerem  Schuhwerk sammeln zu müssen. Die Radler mit festerem Schuhwerk hingegen „genossen“ in heroischer Tapferkeit das mit Wasser in den Schuhen verbundene besondere Fahrgefühl, ohne indes Aufhebens davon zu machen.

Von den fast allen Radlern wohl seitens ihrer um die Gesundheit der Männer bangenden oder zumindest besorgten Ehefrauen wegen des allgemein kargen bis zum Kahlschlag hin tendierenden Haarwuchses zum Schutz gegen nicht eben förderliche Sonnenstrahlung fürsorglich verordneten Kopfbedeckungen erwiesen sich jene mit vorderem Schild auch unter  nicht eben sonnigen Witterungsbedingungen noch als durchaus nützlich, weil sie die oft groß bemessenen Regenkapuzen daran hinderten, ins Gesichtsfeld zu rutschen, von möglichen denkbaren Folgen solcher verrutschender Kapuzen ganz zu schweigen. Mir jedenfalls bescherte diese Art quasi angeborener Unanständigkeit einer Kapuze in Schulzeiten beim Auffahren auf den Handgriff der Ladeklappe eines stehenden Lkw’s seinerzeit einen beklagenswerten Zahnverlust und bei der Radtour keine gute Erinnerung daran.

Die Absicht der Radlergruppe, bei ihrer Tour auch das Ergebnis der in sorgsamst langer Bauweise geschaffenen aber durchaus ansehnlichen neuen Straßenstruktur am Bethlehemkanal  in Augenschein zu nehmen, wurde leider etwas getrübt, weil sich das im Glashüttenkomplex gewähnte Café nicht finden lies. Hilfsweise erwies sich aber ein am Straßenrand neben einem Haus gesichteter größerer Fahrzeugunterstand als geeigneter Ort für eine verdiente Pause und einen zweiten nun noch mehr als beim ersten Mal der innerlichen Stärkung dienenden Marillenschluck. Den nach dem Genuss merklich aufgehellten Gesichtern nach zu urteilen, ließen die gleichsam alles an Einsatz abverlangenden leicht widrigen Witterungsbedingungen die Radler diese österreichische Annehmlichkeit geradezu als Wohltat wahrnehmen.

Davon auch mental zu zehren, waren die Radler auf ihrem weiteren Weg auch gut beraten. Stand doch bei dem Dauerregen dieses Nachmittags bald nicht mehr die Frage der schönsten, sondern nur noch die der kürzesten Wegstrecke nach Hause im Vordergrund. Als solche bot sich der Weg durch die Moorstraße, entlang der  Friederikenstraße und dann weiter durch die Bülte an. Kleine Absetzbewegungen einzelner Radler auf dem weiteren Weg  brachten den einen oder anderen auf  noch kürzerem Weg unter die heimatliche Dusche und die anderen nur wenig später ans Ziel.

Nach dieser Radtour waren alle um die Erfahrung reicher, dass manchmal schon ein trockenes Unterhemd und eine trockene Hose, im Komfortfall noch ergänzt um eine warme Dusche und frische Socken, genügen, um (wieder) glücklich und zufrieden zu sein. Vollkommenes Glück ist nicht das Ziel, sondern glücklich zu sein!

Übrigens, die nächste Radtour startet am Donnerstag,  11. August 2016, wie immer um 15.30 Uhr, beim Heimathaus. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind herzlich eingeladen, dabei zu sein, egal wie alt Sie sind, und welche Fahrpraxis Sie haben! Ein „normales“ Fahrrad genügt!

Hans-U. Feller

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