Steile Lagen, alte Klöster, Medienfragen

Studienfahrt des HBV ins Rotweinparadies Ahrtal

IMG_0671Die jährliche Studienfahrt führte diesmal südwärts ins schöne Ahrtal, durch die Eifel und über Köln zurück. Die – vereinsüblich – auf drei Tage ausgelegte Reise fand regen Zuspruch und machte es wegen des Andrangs erstmals nötig, eine Warteliste einzurichten.

Ein geführter Stadtrundgang durch Ahrweiler machte mit Land und Leuten und ihrer Geschichte vertraut. Schmucke Fachwerkhäuser und die engen Gassen innerhalb der gut erhaltenen Stadtmauern ließen die Vergangenheit lebendig werden. Manche von den beiden Gästeführerinnen vorgestellten interessanten Details reizten zum genaueren Hinsehen und Verweilen oder lohnten auch im Bild festgehalten zu werden.

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IMG_0430Das Weingut Kloster Marienthal bot der Reisegesellschaft an einem hochsommerlich warmen Tag in seinen kühlen Kellern nicht nur willkommene Abkühlung, sondern erwies sich durch die imposante Klosterruine und seine idyllische Lage am Fuß eines Steilhangs und den direktem Zugang zum Weinberg als ein idealer Ort für eine Kellerführung und die anschließende Weinprobe. IMG_0410Der vorwiegend angebaute ahrtypische Spätburgunder reift in Fässern aus Eichenholz, wird durch die im Holz enthaltene Gerbsäure veredelt und erhält dadurch seine charakteristische rote Farbe. Die beim Rundgang durch die Kellergewölbe ins Auge fallenden roten Farbringe vieler Lagerfässer weisen auf deren Nutzung für Rotweine hin. Die Kennzeichnung soll eine spätere Nutzung der Fässer für die Weißweinlagerung verhindern. Denn für die Fasslagerung gilt der Winzergrundsatz „Einmal Rotwein, immer Rotwein!“

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IMG_0450Das „Rheinhotel Vier Jahreszeiten GmbH“ in Bad Breisig bot den Fahrtteilnehmerinnen und -teilnehmern eine angenehme Unterkunft direkt am Rhein und sorgte mit einem reichhaltigen Frühstücks- und Abendbuffet  auch für das leibliche Wohl.

 

 

 

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Eine kompetent begleitete ganztägige Busrundfahrt durch das Ahrtal und die Vulkaneifel führte in die Benediktinerabtei Maria Laach, wo uns die altehrwürdige Klosterkirche und im Umfeld ein Klostermarkt mit zahlreichen Verkaufsständen und ein vielfältiges gastronomisches Angebot erwarteten.

Der grandios anmutende Blick auf eines der weltgrößten Radioteleskope, das übrigens vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie betrieben wird, war ein weiteres Erlebnis auf der Rundfahrt. Sonnenbeschienen strahlte das Teleskop inmitten grüner Wälder kontrastreich und weithin sichtbar in leuchtendem Weiß. 1971 im Ahrgebirge nahe Effelsberg fertiggestelt, verfügt das vollbewegliche Großteleskop über eine beachtliche Apertur von 100 (!) Metern.

IMG_0491Beeindruckend und für viele Reiseteilnehmer Neuland war der Besuch einer Trasshöhle, die durch den Abbau dieses (weichen) Gesteins vulkanischen Ursprungs entstanden ist. Der Trass ist das verbliebene Zeugnis der gewaltigen Glutlawine, die einst das Brohltal ausfüllte. Der aus dem Trass hergestellte Zement ist ein Naturwerkstoff mit verblüffenden Eigenschaften und deshalb ein begehrter Baustoff, der früher auch zum Hausbau und heute speziell dann verwendet wird, wenn es darum geht, die Gefahr von Ausblühungen effektiv zu reduzieren.

Das Städtchen Bad Münstereifel, dessen Besuch auf unserer Rundreise nicht fehlen durfte, ist nicht nur „Wallfahrtsort“ für Heino-Fans, der dort – neuerdings am Berghang – ein Café gleichen Namens betreibt, oder für modebegeisterte, konsumfreudige Besucher des neuen „City Outlet Bad Münstereifel“ interessant, sondern vor allem ein Erlebnis für jene, die – abseits von Geschäftigkeit und Stress -, einfach nur genießen möchten.

IMG_0598IMG_0595Das beschaulich schöne mittelalterliche Kleinod mit Stadttoren und  vollständig restaurierter Stadtmauer ist zum erholsamen Verweilen bestens geeignet und bietet mit seinen vielen sehenswerten Fachwerkhäusern nicht nur Fotofreunden einen Augenschmaus und schöne Motive. Ob es die zahlreichen schmiedeeisernen und kunstvoll gefertigten Reklameaushänger alteingesessener Geschäfte sind, oder ob es das romantisch dahinplätschernde Flüsschen namens Erft ist, alles lädt zur Entspannung ein. Vielleicht lag es an dem wunderschönen Sommertag und der Hitze des Nachmittags, dass sich augenscheinlich alle Besucher nicht eben zu Arbeit und Eile, sondern eher zu Muße, einem Eis oder einem kühlen Getränk hingezogen fühlten.

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IMG_0627Am Rückreisetag kam passend zur Ankunft in der Domstadt Köln der Segen dann von oben. Der Regen störte aber kaum, denn bereits nach wenigen Schritten zwischen Bus und Ziel, war das seine Umgebung dominierende WDR-Funkhaus und damit trockenes Terrain erreicht. Bei einer Führung durch den weitläufigen Gebäudekomplex veranschaulichten zunächst ein kurzer, einführender Filmbeitrag, die nachfolgenden Erläuterungen der Gästeführer und nicht zuletzt die Besichtigung zweier Studios den Funkhausbetrieb. Interessant war der Besuch in einem Hörspielstudio, dessen auffallendes und zugleich wichigstes Merkmal die Schalldämmung ist.

IMG_0654IMG_0657 Zu erfahren war dabei auch, wie Geräusche aufgenommen und eingespielt werden. So erwiesen sich z. B. eine ungewöhnliche Treppe, die linksseitig aus Stein- und rechtsseitig aus Holzstufen besteht und die unterschiedlichen Bodenbeläge als Ausstattungsteile, die verschiedene Gehgeräusche möglich machen. Ein Fensterelement mit  Beschlägen aller Art dient der Nachahmung des gesamten Geräuschspektrums beim Öffnen und Schließen vom Knarren bis hin zum heftigen Zuschlagen des Fensterflügels.

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IMG_0663Den Abschluss des Funkhausbesuchs bildete der Besuch in einem Fernsehstudio, dessen Kulisse den Lokalnachrichten dient. Auffallend war hier die Vielzahl an Deckenkameras, die zumeist bereits sendungsbezogen punktgenau ausgerichtet sind und bei Positionswechseln nach Bedarf zugeschaltet werden. IMG_0667Erklärungen zum Sendebetrieb, zur Unterscheidung der Funktionen Sprecher und Moderator, zu Besonderheiten bei Sendungen mit Publikum und zum Einsatz des Teleprompters als gern genutztes Hilfsmittel waren nur einige Informationen, die den Zuhörerinnen und Zuhören künftig beim Blick auf den heimischen Fernseher durch den Kopf gehen und vielleicht ihr Verständnis dafür erhöhen werden, wenn es gelegentlich mal  nicht so läuft wie es eigentlich sollte. Trotz aller Fortschritte der Technik behält der Grundsatz Gültigkeit, dass dort, wo Menschen arbeiten, Fehler unvermeidlich sind. Sie auszuschließen ist nicht möglich, sie weiter zu verringern aber das angestrebte Ziel! Alles in Allem also gute Aussichten für den Fernsehkonsumenten.

 

Hans-U. Feller

Der Nagelbaum

Auf der Spur eines alten Handwerksbrauchs der Schmiede

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Um Neues oder – hier thematisch treffender – Altes zu entdecken, bedarf es nicht immer weiter Reisen an entfernte Orte. Manchmal genügt schon ein Ausflug in die nähere Umgebung. So erging es mir kürzlich bei einem Besuch des Städtchens Friesoythe im nahen Cloppenburger Land bei einem Gang durch die örtliche Geschäftsstraße.

Beim Verlassen eines Buchladens fiel mein Blick (erst) diesmal auf eine an der rechten Seitenwand des Geschäfts vertikal angebrachte hölzerne Bohle, die mir – mea culpa – bei früheren Besuchen nie aufgefallen war. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich an dem gräulich und verwittert wirkenden Balken, viele eingeschlagene Nägel. Sie entstammen aber offenkundig nicht industrieller Massenware, vielmehr handelt es sich um handgeschmiedete, besondere Stücke. Jeder Nagel ist ein künstlerisch geformtes Unikat und schon deshalb und trotz Rostbesatzes mehr als nur eines flüchtigen Blickes wert!

Mein Interesse war geweckt, und ich erinnerte mich beim Blick auf den Nagelbalken zusätzlich eines beim Gang durch die Straße bereits häufiger in Augenschein genommenen ausdruckstarken bronzenen Denkmals, das in Lebensgröße einen Schmied  bei der Arbeit mit seinen wichtigsten Werkzeugen darstellt, vor sich einen großen Amboss, in der Hand den schweren Hammer. Das Denkmal soll auf die besondere Bedeutung des Schmiedehandwerks für Friesoythe hinweisen. Davon hatte ich bereits früher gehört. Was aber hat es nun mit dieser nagelbewehrten Bohle auf sich?

unsortiertbis27.05.2016 1660Ein Schild neben dem wuchtigen Holzbalken hält dazu für den interessierten Betrachter eine kurze Erklärung parat. Schmiede zogen einst auf der Arbeitssuche von Ort zu Ort und von einem Meister zum nächsten, bis sie eine passende Arbeitsstelle gefunden hatten. Wechselten sie nach einiger Zeit den Arbeitsort, hinterließen sie als Berufsbrauch an einer Holzbohle vor der Schmiede einen eigens gefertigten und dann dort eingeschlagenen Nagel besonderer Ausformung und einem individuell in den Nagelkopf eingeschlagenen Merkmal als Zeichen dafür, dass sie hier tätig waren. Andere durchreisende Berufskollegen erhielten so Kenntnis davon, welcher Berufskollege dort bereits gearbeitet hatte. Zugleich vermochten die Berufsgenossen Kenntnisse und Fertigkeiten der Berufskollegen bzw. die Anforderungen der Arbeitsstelle einzuschätzen, weil sich die Schmiede untereinander oft kannten, auch was ihr individuelles handwerkliches  Können anbelangte. Die Nägel an diesem „Nagelbaum“ genannten Balken – vielleicht war es ursprünglich tatsächlich ein nahe der Schmiede stehender Baum -, ließen also, ähnlich den uns von gotischen Kirchen her bekannten in den Sandstein eingeschlagenen Arbeitszeichen der Steinmetze, namentliche Rückschlüsse auf die bereits vorher am Ort tätigen Berufskollegen zu.

Werfen Sie einen Blick auf die beiden Fotos. Noch besser, nehmen Sie eine passende Gelegenheit wahr, die beiden Denkmale alter Handwerkskultur bei sich bietender Gelegenheit   einmal selbst in Augenschein zu nehmen und sich daran zu erfreuen.

„Augen auf!“, einer guter Rat, der uns vor allem vom Straßenverkehr her bekannt ist, hat auch im kulturellen Bereich seine Berechtigung!

Hans-U. Feller