Handwerkerhaus 2

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Seilmacher-Seiler-Reepschläger

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Während die Seiler ihr Handwerk vor allem im Binnenland ausübten und Seilwerk für den Alltagsgebrauch fertigten, haben die beruflich verwandten Reepschläger sich mehr auf die Herstellung dicker Schiffstaue und Trossen spezialisiert und waren in den Hafenstädten angesiedelt. Für die Bauern und Handwerker reichten oft die einfacheren Seile wie Stricke für die Erntewagen, Anbindestricke für das Vieh, Lasten- und Abschleppseile, Wäscheleinen u. a. aus. Die Qualität und Tragfähigkeit der Seile, aber auch ihre Elastizitat sind wichtige Faktoren für die Sicherheit von Menschen und Sachen, z. B. bei den Klettersellen der Bergsteiger oder den besonders elastischen Seilen der Bungeespringer, aber auch bei Lastenseilen für Kräne und anderes Gerät. Seile wurden früher vor allem aus Hanf und Flachs, heute werden sie aber auch aus Chemiefasern oder Stahldraht hergestellt. Hauptarbeitsgerät war die Seilschlagmaschine zum Ver drillen der Faden und Schnüre. Zu den Schlussarbeiten am Sell gehört das Verflechten der Tauenden, das sog. Spleißen. Seilerei Vorrichtung mit vier Spindeln vom Respblock Reepblock Reepwagen Wusstest du schon, dass… der Seilmacher Seile, Taue und Stricke herstellt, die eine größere Bedeutung haben, als viele Leute meinen? Vom Klettertau für Bergsteiger über das Lastenseil am Baukran bis hin zum Abschleppseil fürs Auto-der Seiler (Seilmacher) hält bei seiner Arbeit vigin Fäden in der Hand


Stellmacher-Wagenbauer

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Ackerwagen, Kutschen, Karren und weitere landwirt schaftliche Arbeitsgeräte wie Pflüge, Eggen, Schubkarren usw. fertigte der Stellmacher. Sein hauptsächliches Arbeitsmaterial war Holz. Die Berufsbezeichnung leitet sich von den Gestellen der Pflüge und Wagen ab. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert erlebte dieser alte Handwerksberuf seine Blütezeit. Im Zuge der Industrialisierung verdräng ten dann zunehmend Landmaschinenfabriken und die gummibereiften Motorfahrzeuge aus Metall sehr schnell die traditionellen Holzkonstruktionen. Einige Betriebe schafften die Umstellung auf den Karosseriebau für Auto hersteller. Das Aufkommen der Eisenbahn in der 2. Häifte des 19. Jh. und der damit einhergehende Rückgang imi Kutschenbau sowie die zunehmende Fließbandfertigung ließen die Bedeutung des Stellmacherhandwerks noch weiter sinken. Heute gehört der Stellmacher zu den aus gestorbenen Berufen. In unserer Original-Stellmacherel, die seit 1910 über mehrere Generationen im Familienbesitz Doesken war, sind über 100 Jahre alte Gerätschaften und Maschinen und ganz besonders eine lautstarke Transmissionsanlage zu bewundern, we sie damals zum Antrieb der Maschinen üblich war. Heute werden hier noch in weitgehender Handarbeit Holzharken und Stiele für Forken, Spaten, Schaufeln, Sensen, Axte, Beile und Hämmer hergestellt. Die letzten Stellmachereibetriebe in Aschendorf waren bist in die 1970er Jahre neben Johann (Hans) Doesken: (Emdener Straße) die Betriebe Lübke Wotte (Windthorst straße) und Albert Pieper (Klosterstraße). Legendär und im lokalen Umfeld sehr bekannt ist, dass der letzte Inhaber des Traditionsbetriebs Hans Doesken (1928) 2020), der noch im hohen Alter bis kurz vor seinem Tod hier tätig war, die von ihm für gut befundenen Erzeugnisse dieser Werkstatt mit einem Stanzzeichen HD kenn zeichnete, was Kunden als besonderes Qualitätsmerkmal wahrnahmen.


Böttcher (Fassbinder)

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Diesen Beruf (auch Küfer bzw. Fassmacher) kann man schon seit dem 8. Jh. nachweisen. Dem Böttcher oblag die Herstellung einer Vielzahl von Holzgefäßen (Bottiche, Fässer, Wannen, Eimer usw.) für Haus und Hof. Häufig wurden auch große Fässer für Bier oder Wein hergestellt. Während die Fässer früher mit Holzreifen – vorwiegend aus biegsamen Weidenholz – umbunden wurden (daher die Bezeichnung Fassbinder), setzten sich etwa ab 1860 die stabileren und dauerhafteren Reifen aus Bandeisen durch. Heute gibt es nur noch wenige Böttcher. Die Herstellung und Reinigung der Holzfässer, das immer wieder nötige Auspichen mit Fasspech (Wasserdichtigkeit) und das Nachschlagen der Fassbänder mit dem Setzhammer führten im Laufe der Zeit zur Verwendung alternativer Materialien wie Plastik und Edelstahl. Ab den 1870er Jahren trug auch die geänderte Vorratseinlagerung in der Haus und Landwirtschaft zum Entzug der Existenzgrundlage des Böttcherhandwerks bei. Zum Ende des 19. Jahrhunderts drängten industriell gefertigte Waren aus Blech, Emaille, Porzellan und anderen Materialien auf den Markt. In den letzten zweihundert Jahren seit 1775 übten im Kirchspiel Aschendorf noch mehr als zwanzig Personen das Böttcherhandwerk oder das eines Fassmachers, Fassbinders und Kupers aus. Um 1850 gab es im Ort noch drei Böttcherbetriebe. Die Familie Tangen war seit 1810 über vier Generationen im Böttcherhandwerk tätig, und die Familien Meyer und Edelkamp übten das Handwerk über zwei Generationen hier aus.

Lokal ist der Beruf inzwischen ausgestorben. Der letzte Böttcher in Aschendorf war Engelbert Tangen, der 1954 verstarb, aber schon vor dem Zweiten Weltkrieg in den Beruf eines Landhandelskaufmanns wechselte. Die typischen Böttchereierzeugnisse im Emsland waren damals Holzgefäße für die Haus- und Landwirtschaft: Pökel-, Sauerkraut-, Käse-, Butter- und Schmalzfässer, aber auch Milchkannen, Wasch- und Waschmaschinenbottiche, Badezuber sowie Blumenkübel und auch Jauchefässer, wie das Exponat in der landwirtschaftlichen Scheune des Heimathofs zeigt.


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