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90 Jahre und ein bisschen weise!

So könnte man Hans Doesken beschreiben, der kürzlich seinen 90. Geburtstag begehen konnte. Der Heimat- und Bürgerverein Aschendorf (Ems) e. V.  (HBV) ehrte ihn mit einem Geburtstagsschild und einem Empfang im Heimathaus.

Doesken ist dem HBV eng verbunden und  bis zum heutigen Tage gelegentlich noch in der Werkstatt aktiv. Als einst selbständiger Stellmachermeister verfügt er nicht nur über hervorragende Kenntnisse seines Handwerks, sondern übergab die von ihm lange am sog. Aschendorfer Weg betriebene Werkstatt im fortgeschrittenen Alter nebst allem Inventar an den HBV. In einem eigens dafür errichteten Gebäude des Heimathofs fand die Werkstattausstattung einschließlich des damals gebräuchlichen Transmissionslaufwerks (historisches Riemengetriebe) eine neue Unterkunft. Wegen ihrer kompletten historischen Ausstattung und vor allem der erhalten gebliebenen Betriebsbereitschaft ist die Stellmacherei auch heute noch ein interessantes und gern besichtigtes Objekt, wenn Besucher im Aschendorfer Museum für historisches und ländliches Handwerk altes Handwerk neu entdecken.

Neben den üblichen Aufgaben eines Stellmachers oder Wagenbauers im Reigen der ländlichen Handwerke gehörte auch die Herstellung allerlei hölzernen Arbeitsgeräts zum Werkstattgeschäft. Und hier waren und sind  es bis heute  besonders Gerätestiele aller Art und hölzerne Harken verschiedener Ausführung, die er anfertigt.

Die hohe Qualität und die sich daraus entwickelte Beliebtheit besonders der Harken ist geradezu legendär und bis heute spürbar, wenn professionelle Verwender und die hiesige Landbevölkerung bewusst eine „HD-Harke“ nachfragen. Sie wissen nämlich, auf eine Harke mit dem HD-Emblem (für Hans Doesken) ist Verlass. Und sie hält ein Menschenleben, wenn sie denn, so erklärt der Meister, ordentlich behandelt wird. Und so ist es auch  nicht verwunderlich, wenn gelegentlich jemand eine Harke wegen beispielsweise abgenutzter oder gebrochener Zinken zur Reparatur bringt und dabei erwähnt, er habe sie schon in der Hand des Großvaters gesehen, und sie gehöre „wohl schon ewig“ zum Hofinventar.

 

Geradezu erstaunlich ist auch die Fähigkeit Doeskens in der Wartung und gelegentlich auch Reparatur der alten, oft gusseisernen Werkstattmaschinen. Seine Gelassenheit und sein weiser Rat sind  oft unentbehrlich und immer willkommen, wenn es Probleme gibt, die Maschinen am Laufen zu halten oder sie wieder zum Laufen zu bringen oder wie es Doesken nennt, „die Seele der Maschine zu verstehen und auf sie einzugehen“. Wahrlich eine weise Erkenntnis eines Praktikers mit langer Erfahrung!

Hans-U. Feller, stv. Vors. des HBV

Aschendorfer Mentalität: Kiene Bangbüxen!

Herbstfest 2018 stand auf der Kippe

Das erste Herbst-Wochenende hatte es in sich. Die Wettervorhersagen verhießen Sturm und Dauerregen. Mithin kein Wetter für Freiluftveranstaltungen. In der Wochenendausgabe der Tageszeitung las man Absagen für Veranstaltungen in der Stadt.

Die Frage der Veranstaltungsabsage stellte sich auch für den Aschendorfer Heimat- und Bürgerverein hinsichtlich seines für den Sonntag geplanten Herbstfestes, für das in der Hoffnung auf gute Wetterbedingungen bereits viele Vorbereitungen getroffen waren. In einer ersten Lagebesprechung am Freitag entschieden sich die Vereinsverantwortlichen wegen der Sturmgefahr gegen den vorgesehenen Aufbau eines Zeltes.

In einer weiteren Lagebesprechung am Samstagmorgen fiel dann nach Risikoabwägung und dem als verlässlich und erprobt eingestuften Bauchgefühl entgegen dem allgemeinen Trend die Entscheidung, das Herbstfest doch durchzuführen. Insbesondere sollte die durch Plakat-und Handzettelwerbung angefachte Vorfreude der Kinder auf die erst im Vorjahr (auch) als Kirmesersatz neu ins Leben gerufene Veranstaltung nicht enttäuscht werden.

Um den Besuchern trotz des wegfallenden Zeltes das gewohnte Ambiente bei Kaffee und Kuchen und allerhand Sehenswertem bieten zu können, wurde kurzerhand die landwirtschaftliche Scheune des Heimathofs in die Veranstaltung einbezogen. Sie bot, wie sich überraschend herausstellte,  ein ideales Ambiente u. a. für eine Bilderausstellung heimischer Künstlerinnen, eine hochinteressante Präsentation und Vorführung von Stirlingmotoren (Wärmekraftmaschinen) eines Modellbauers, eine Schätzaktion zur Ermittlung des Gewichts eines stattlichen Kürbisses und  zudem sechzig weitere Sitzplätze für Kaffeegäste.

Die Entscheidung zur Durchführung des Festes erwies sich als glücklich getroffen. Das Wetter zeigte sich am Sonntag zwar regengeprägt, aber ohne gefahrvolle Kapriolen. Die Besucher waren ob der positiven, gleichwohl risikobehafteten Entscheidung erfreut, bedankten sich durch Worte und hohe Teilnehmerzahlen und honorierten so das Engagement des Vorbereitungsteams und der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, auf die der Verein mit Recht stolz sein kann.

Die Kinder kamen bei  modernen Feuerwehrfahrzeugen von heute und betagten landwirtschaftlichen Maschinen von gestern, bei Stockbrotbacken und frischen Waffeln, Kälbchenstreicheln, Ponyreiten, Nistkastenbau und allerlei anderen interessanten Dingen auf ihre Kosten und dachten nicht ans Wetter. Auch die Erwachsenen hatten und nutzten die Gelegenheit, den Nachmittag an Ausstellungsständen verschiedenster Art kurzweilig und unterhaltsam zu verbringen, Anregungen auf- und mitzunehmen und es sich bei allerhand leckeren Dingen gut gehen zu lassen. Auch sie vergaßen innen das Wetter außen.

   

Angsthasen (hochdeutsche Übersetzung von Bangbüxen) sind sie nicht, die Aschendorfer, aber anpackend: „Wi willt, wi koent, wie daut“! Eben Aschendorfer Lebensart.

Hans-U. Feller

Herzliche Einladung!